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Qigong, Tuina, Ayurveda: die Verfahren, die nur wenige Kassen führen

Redaktion Naturkompass24

Stand · Finanzierung: redaktionell · Interessenkonflikt: keiner angegeben

Elf Kassen zahlen Qigong. Sieben davon zahlen einen Kurs, den jede Kasse zahlen muss, und nicht die Behandlung. Woran Sie den Unterschied erkennen.

Wer nachsieht, welche Krankenkasse Qigong zahlt, findet elf. Bei Tuina sind es fünf, bei Ayurveda vier. Diese drei Zahlen stehen so im Register, und die erste führt in die Irre: Sieben der elf Qigong-Zeilen zahlen einen Präventionskurs, und den zahlt Ihre Kasse ohnehin, ganz gleich, wie sie heisst. Nur vier Kassen tragen Qigong als Behandlung. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie die beiden auseinanderhalten, und was die vier Kassen wirklich zusagen.

Der Kurs steht im Gesetz, die Behandlung in der Satzung

Ein Präventionskurs nach § 20 SGB V ist keine Leistung Ihrer Kasse allein. Das Gesetz verpflichtet jede gesetzliche Krankenkasse, Leistungen zur primären Prävention anzubieten; welche Kurse dafür in Frage kommen, richtet sich nach dem Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes, und die Zentrale Prüfstelle Prävention zertifiziert sie. Qigong steht dort im Handlungsfeld Stressbewältigung und Entspannung.

Eine Satzungsleistung nach § 11 Absatz 6 SGB V ist etwas anderes: Sie ist die Zusage einer einzelnen Kasse, über den gesetzlichen Katalog hinaus etwas zu tragen. Bei den drei Verfahren dieses Beitrags meint sie die Behandlung durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten, nicht den Gruppenkurs in der Volkshochschule.

Der Unterschied ist nicht akademisch. Ein Kurs dauert acht bis zwölf Einheiten, findet in der Gruppe statt und will Ihnen etwas beibringen; die Kasse zahlt in aller Regel 80 Prozent für zwei Kurse im Jahr. Eine Behandlung ist eine Einzelsitzung mit einem Befund, und für sie gilt der Satzungsbetrag.

DAK-Gesundheit, „Tai-Chi und Qigong: Entspannung auf Chinesisch“ „Der Tai-Chi- oder Qigong-Kurs muss von der Zentralen Prüfstelle für Prävention zertifiziert sein.“

Dieser eine Satz ist die Probe. Steht in der Auskunft Ihrer Kasse etwas von Zertifizierung, Prüfstelle oder Präventionskurs, geht es um den Kurs. Steht dort ein Betrag je Sitzung oder eine ärztliche Verordnung, geht es um die Behandlung.

Was die Zahlen wirklich sagen

Das Register führt zu jedem Stand den Wortlaut der Fundstelle. Sortiert man die Zeilen der drei Verfahren danach, ob ihr Wortlaut von einem Kurs oder von einer Behandlung spricht, fällt die Zahl für Qigong von elf auf vier.

Kassen mit einem belegten Stand, aufgeteilt nach Kurs und Behandlung (Stand 07.09.2026)
VerfahrenKassen gesamtdavon Präventionskursdavon Behandlung
Qigong1174
Tuina505
Ayurveda404

Tuina und Ayurveda kennen den Kursweg nicht: Für sie gibt es keinen zertifizierten Präventionskurs, weil beide Behandlungen durch eine dritte Person sind und kein Verhalten, das man einübt. Ihre Zahlen bleiben deshalb, wie sie sind, und sie sind klein.

Die sieben Kurszeilen sind darum nicht wertlos. Sie sind nur eine Auskunft über etwas anderes: Wer einen Qigong-Kurs sucht, findet ihn bei jeder Kasse, und der Zuschuss liegt zwischen 75 und 400 Euro im Jahr. Wer eine Qigong-Behandlung sucht, hat vier Kassen zur Auswahl.

Die vier Kassen, die alle drei tragen

Vier Kassen führen Qigong, Tuina und Ayurveda gemeinsam: die HEK, die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, die BKK Herkules und die novitas bkk. Das ist kein Zufall, sondern eine Bauform: Alle vier regeln die drei in EINEM Absatz ihrer Satzung, zusammen mit weiteren Verfahren.

Was die vier Kassen zusagen (Stand 07.09.2026, jede Zeile mit Fundstelle im Register)
KasseFundstelleBetragein Topf für alle drei?
HEKSatzung, 116. Nachtrag, „Weitere Heilmittel im Rahmen von Naturheilverfahren“70 vom Hundert, höchstens 100 Euro jährlichnein, je Verfahren
AOK Rheinland-Pfalz/SaarlandSatzung vom 03.08.2026, Absatz 2 über weitere Heilmittel30 Euro je Sitzung, höchstens 5 Sitzungenja, ein Absatz für alle drei
BKK Herkuleszwei: Leistungsseite TCM (Tuina, Qigong) und Satzung § 12h (Ayurveda)je 200 Euro jährlichnein, zwei Fundstellen
novitas bkkSatzung vom 04.08.2026, § 12 Nummer 12 „Alternative Heilmittel“ohne Betrag in der Fundstellenein, je Verfahren

Die Spalte ganz rechts ist die, die im Alltag zählt. Bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland stehen alle drei in EINEM Absatz mit einem gemeinsamen Deckel: Wer die fünf Sitzungen für Tuina ausschöpft, hat für Ayurveda im selben Jahr keine mehr. Bei der BKK Herkules ist es umgekehrt, und das sieht man nur, wenn man beide Fundstellen kennt: Tuina und Qigong stehen auf ihrer TCM-Leistungsseite mit 200 Euro, Ayurveda in § 12h der Satzung mit weiteren 200 Euro. Ob sich die beiden Beträge addieren, sagt keine der beiden Fundstellen; danach fragt man am besten direkt bei der Kasse.

Deshalb steht im Register an jeder Zeile, die sich ihren Betrag mit anderen teilt, ein eigener Vermerk. Ohne ihn würde eine Vergleichstabelle die Beträge addieren und für die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland fünfzehn Sitzungen ausweisen, wo die Satzung fünf zusagt.

Was die Studienlage sagt

Das Register führt zu Qigong sechs Evidenzsteckbriefe, zu Tuina und Ayurveda je drei. Der stärkste stammt aus der S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Onkologie: Empfehlung 6.13 nennt konsistente Ergebnisse aus einer Netzwerk-Metaanalyse mit 245 randomisierten Studien und kommt zu dem Schluss, Tai Chi und Qigong „sollte zur Senkung von Fatigue und Ein- und Durchschlafstörungen bei diesen Patienten empfohlen werden“; die Leitlinie weist dafür GoR B und LoE 1a aus. Für die Lebensqualität (Empfehlung 6.12) und die Depressivität (6.14) nennt dieselbe Leitlinie die Ergebnisse dagegen inkonsistent.

Eine Kassenleistung ist kein Wirksamkeitsnachweis, und ein fehlender Steckbrief ist kein Gegenbeweis. Die Satzung einer Kasse und die Studienlage sind zwei getrennte Fragen, und dieses Register beantwortet sie deshalb auf zwei getrennten Ebenen.

Bei Qigong lohnt der zweite Blick: Von elf Kassen mit einem belegten Stand zahlen sieben einen Präventionskurs nach § 20 SGB V, den jede gesetzliche Kasse anbieten muss. Als Behandlung tragen es vier.

Woran Sie es erkennen: Steht in der Auskunft etwas von einem zertifizierten Kurs oder der Zentralen Prüfstelle Prävention, geht es um den Kurs. Steht dort ein Betrag je Sitzung und eine ärztliche Verordnung, geht es um die Behandlung.

Und wenn Ihre Kasse mehrere dieser Verfahren führt, fragen Sie nach dem Budget: Bei zwei der vier Kassen ist es ein gemeinsamer Topf für alle drei.

Zahlt meine Kasse einen Qigong-Kurs, auch wenn sie im Register nicht steht?

Sehr wahrscheinlich ja. Jede gesetzliche Krankenkasse muss nach § 20 SGB V Leistungen zur primären Prävention anbieten, und zertifizierte Qigong-Kurse gehören zum Handlungsfeld Stressbewältigung und Entspannung. Das Register führt nur die Kassen, deren Zusage wir im Wortlaut belegt haben; für den Kurs ist das Fehlen einer Zeile also keine Auskunft. Für die Behandlung ist es eine: Dort führt das Register am 7. September 2026 vier Kassen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Qigong-Kurs und einer Qigong-Behandlung?

Der Kurs bringt Ihnen die Übungen bei; Sie machen sie danach selbst. Er läuft in der Gruppe, dauert meist acht bis zwölf Einheiten und muss von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sein. Die Behandlung führt eine Therapeutin oder ein Therapeut an Ihnen aus, meist im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin. Rechtlich sind es zwei verschiedene Paragraphen, § 20 und § 11 Absatz 6 SGB V.

Warum führt das Register für Ayurveda nur vier Kassen?

Weil nur vier es in einer Fundstelle beim Namen nennen. Das Register trägt einen Stand erst ein, wenn der Wortlaut der Kasse das Verfahren selbst benennt, mit Erhebungstag und Fundstelle. Eine Kasse, die allgemein von alternativen Heilmethoden spricht, bekommt keine Ayurveda-Zeile. Es kann also mehr Kassen geben, die zahlen; belegt sind vier.

Kann ich bei einer Kasse alle drei Verfahren nebeneinander abrechnen?

Das hängt am Budget. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland und die BKK Herkules regeln die drei in einem Absatz mit einem gemeinsamen Betrag; wer ihn für ein Verfahren ausschöpft, hat für die anderen nichts mehr. Die HEK und die novitas bkk führen sie je Verfahren. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Kasse nach dem Höchstbetrag „für alle Leistungen dieses Absatzes zusammen“.

Quelle

Verfahren

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