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Akupunktur bei Migräne und Spannungskopfschmerz: was die Kasse zahlt und was die Studien zeigen

Redaktion Naturkompass24

Stand · Finanzierung: redaktionell · Interessenkonflikt: keiner angegeben

Die Regelleistung endet bei Kreuz- und Knieschmerz. Welche Kassen bei Migräne trotzdem zahlen, was der Bonus hergibt und was zwei Cochrane-Reviews fanden.

Wer wegen Migräne oder Spannungskopfschmerz zur Akupunktur geht, hört von seiner Kasse fast immer denselben Satz: Die gesetzliche Leistung gilt nur für zwei Indikationen, und Kopfschmerz ist keine davon. Dieser Beitrag zeigt, woher der Satz kommt, welche Kassen ihn wörtlich so schreiben, wo es trotzdem einen Zuschuss gibt und was die Studienlage zur Vorbeugung von Migräne und Spannungskopfschmerz hergibt. Alle Zitate stammen von den Leistungsseiten der Kassen und aus den genannten Übersichten, mit Fundstelle und Erhebungsdatum.

Die Regel: zwei Indikationen, sonst Anlage II

Die Methoden-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses lässt Körperakupunktur mit Nadeln in Anlage I Nummer 12 für zwei Beschwerdebilder zu: chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule und chronische Schmerzen in mindestens einem Kniegelenk durch Gonarthrose, jeweils seit mindestens sechs Monaten. Für alles Übrige gilt Anlage II Nummer 31: „Akupunktur mit Ausnahme der in Anlage I aufgeführten Indikationen.“ Diese Methoden dürfen nicht zu Lasten der Krankenkassen erbracht werden.

Migräne und Spannungskopfschmerz stehen damit in Anlage II. Eine Kasse, die dafür Akupunktur beim Vertragsarzt über die Gesundheitskarte bezahlen wollte, dürfte es nicht. Was bleibt, sind Satzungsleistungen, Gesundheitskonten und Bonusprogramme, und die unterscheiden sich von Kasse zu Kasse.

Was die Kassen wörtlich dazu sagen

Am 06.09.2026 hat die Redaktion die Akupunkturseiten von mehr als sechzig Krankenkassen gelesen. Die meisten geben nur die Regelleistung wieder. Achtzehn Kassen sagen zusätzlich etwas über die Zeit danach, sechzehn davon ein Nein für andere Diagnosen. Die Sätze stehen im Register mit Fundstelle; hier eine Auswahl im Wortlaut.

Techniker Krankenkasse, „Übernimmt die TK die Kosten für Akupunktur?“ „Bei anderen Diagnosen dürfen wir leider keine Kosten übernehmen.“
IKK classic, „Übernimmt die Krankenkasse Akupunktur bei Migräne?“ „Akupunktur bei Migräne gehört nicht zu den regulären Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten werden in der Regel nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule und bei chronischen Knieschmerzen infolge einer Gonarthrose übernommen.“
bkk melitta hmr, „Was ist bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen?“ „Viele Menschen berichten, dass Akupunktur bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen hilfreich war. Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit bei diesen Krankheitsbildern jedoch nicht eindeutig belegt. Deshalb gehört die Akupunktur bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen - eine Kostenübernahme ist also leider nicht möglich.“
BKK Pfalz, Leistungsseite Akupunktur „Umso mehr bedauern wir, diese alternative Heilmethode bei chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne nicht mehr anbieten zu dürfen.“

Der Satz der BKK Pfalz hat eine Vorgeschichte, und die BKK ProVita nennt das Datum: „Akupunkturbehandlungen sind seit 1. Januar 2007 im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten.“ Seit diesem Tag gilt die Zweiteilung aus Anlage I und Anlage II. Was die BKK Pfalz „nicht mehr anbieten“ darf, ist die Indikation, die dabei nicht in Anlage I gekommen ist.

Kassen mit belegter Aussage zur Akupunktur ausserhalb der beiden Indikationen (Stand 06.09.2026)
KasseAussageWo sie steht
Techniker Krankenkassekeine Kosten bei anderen DiagnosenLeistungsseite Akupunktur
hkkkeine Kosten bei anderen DiagnosenLeistungsseite Akupunktur
KKHandere Gründe: Kosten in voller Höhe selbst zu zahlenLeistungsseite Akupunktur
IKK classicMigräne keine reguläre LeistungRatgeberseite Akupunktur
BKK ProVita, energie-bkk, BKK Deutsche Bank, BKK Akzo Nobel, BKK Würthkeine Kosten bei anderen Indikationen oder DiagnosenLeistungsseiten Akupunktur
KNAPPSCHAFTin anderen Fällen keine Kostenübernahme, Verweis auf Anlage II Nummer 31Leistungsseite Akupunktur
vivida bkkbei Kopfschmerzen oder anderen Erkrankungen keine KostenübernahmeLeistungsseite Akupunktur
bkk melitta hmr, BKK PfalzMigräne und Spannungskopfschmerz ausdrücklich nichtLeistungsseiten Akupunktur
BKK Herkules70 Euro im Jahr für weitere AkupunkturleistungenLeistungsseite Akupunktur
BKK Werra-Meissnerbis zu 100 Euro jährlich über Gesund PlusLeistungsseite Alternative Medizin

Wo es trotzdem Geld gibt: Zuschuss und Bonus

Zwei gelesene Kassen tragen Akupunktur über die Regelleistung hinaus als Satzungsleistung. Die BKK Herkules schreibt: „Die BKK Herkules übernimmt darüber hinaus weitere Akupunkturleistungen mit 70 € im Jahr, wie zum Beispiel für Hyaluronsäure-Anwendungen bei Kniegelenkproblemen.“ Die BKK Werra-Meissner: „Sie möchten die Akupunktur auch bei anderen Beschwerden einsetzen? Über unser Gesund Plus können Sie jährlich bis zu 100 Euro für Akupunktur erstattet bekommen.“ Bei der BKK Werra-Meissner ist das ein gemeinsamer Topf mit anderen Leistungen.

Der zweite Weg ist der Bonus nach § 65a SGB V. Er ist keine Erstattung, sondern eine Prämie für gesundheitsbewusstes Verhalten, die sich bei einigen Kassen für Akupunktur verwenden lässt. Das Register führt solche Bonuszeilen unter anderem für die KKH, die hkk, die SBK, die BERGISCHE KRANKENKASSE, die novitas bkk und die BKK PwC. Die BKK PwC schreibt auf ihrer Akupunkturseite: „Rechnungen für Ihnen entstandene Kosten für Akupunkturbehandlungen anderer Beschwerden können Sie im Rahmen unseres Bonusprogramms JUMP einreichen.“ Die novitas bkk: „Wenn es sich bei Ihrer Akupunktur um eine privatärztliche Leistung handelt, reichen Sie im Rahmen des Bonusprogramms einfach Ihre ärztliche Verordnung entweder als Privatrezept oder grünes Rezept und die Quittung bei uns ein.“

Ein Sonderfall ist die Barmer. Sie zahlt keine Akupunktur bei Migräne, bietet aber eine stationäre Behandlung mit Traditioneller Chinesischer Medizin in den Kliniken Essen-Mitte an: „Die BARMER ermöglicht Ihnen gemeinsam mit der Fachklinik für Naturheilkunde und Traditionelle Chinesische Medizin der Kliniken Essen-Mitte eine gezielte Behandlung Ihrer Migräne oder chronischen Kopfschmerzen. Voraussetzung ist, dass Ihre Beschwerden seit mehr als sechs Monaten bestehen, regelmäßig auftreten und bisherige Behandlungen, etwa durch Schmerzmittel, nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.“ Das ist ein Klinikprogramm, keine ambulante Akupunktur.

Was die Studien zur Vorbeugung sagen

Dass die Kassen nicht zahlen, heisst nicht, dass es keine Belege gibt. Zwei Cochrane-Übersichten aus dem Jahr 2016 haben Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne und Spannungskopfschmerz untersucht; beide stehen im Register als Evidenzsteckbrief.

Zur episodischen Migräne (22 Studien, 4985 Teilnehmende) berichten die Autorinnen und Autoren gegenüber keiner Akupunktur eine moderate Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit nach der Behandlung, gegenüber Scheinakupunktur eine kleine, aber statistisch signifikante: Nach der Behandlung halbierte sich die Häufigkeit bei 50 Prozent mit echter und 41 Prozent mit Scheinakupunktur. Gegenüber medikamentöser Prophylaxe war Akupunktur nach der Behandlung überlegen, im weiteren Verlauf nicht mehr signifikant; die Behandelten brachen seltener wegen unerwünschter Wirkungen ab.

Zum Spannungskopfschmerz (zwölf Studien, 2349 Teilnehmende) halbierte sich die Kopfschmerzhäufigkeit gegenüber Scheinakupunktur bei 51 gegenüber 43 Prozent der Behandelten, mit moderater Qualität der Belege. Gegenüber Physiotherapie, Massage oder Übungen fand keine Studie eine Überlegenheit der Akupunktur. Die Autorinnen und Autoren schliessen, Akupunktur sei bei häufigem episodischem oder chronischem Spannungskopfschmerz wirksam, weitere Vergleichsstudien seien nötig.

Der Unterschied zwischen echter und Scheinakupunktur ist in beiden Übersichten klein. Wer sich für eine Behandlung entscheidet, tut das mit dieser Zahl und nicht gegen sie.

Akupunktur bei Migräne oder Spannungskopfschmerz ist nach Anlage II Nummer 31 der Methoden-Richtlinie keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung; sechzehn Kassen schreiben das auf ihren Leistungsseiten ausdrücklich, zwei tragen einen Zuschuss.

Wer trotzdem Geld bekommen will, sieht zuerst in den Bonuskatalog seiner Kasse, dann ins Gesundheitskonto. Was die eigene Kasse führt, steht auf ihrer Antwortseite im Register, mit Fundstelle und Erhebungsdatum.

Die Studienlage zur Vorbeugung ist besser als der Leistungskatalog vermuten lässt: Zwei Cochrane-Übersichten finden einen Nutzen gegenüber keiner Behandlung und einen kleinen gegenüber Scheinakupunktur.

Zahlt die Krankenkasse Akupunktur bei Migräne?

Über die Gesundheitskarte nicht. Akupunktur bei Migräne steht in Anlage II Nummer 31 der Methoden-Richtlinie und darf nicht zu Lasten der Kassen erbracht werden. Einzelne Kassen zahlen einen Zuschuss aus der Satzung oder lassen den Bonus dafür verwenden; welche, steht im Register.

Warum zahlt die Kasse Akupunktur beim Rücken, aber nicht beim Kopf?

Anlage I Nummer 12 der Methoden-Richtlinie nennt genau zwei Indikationen: chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule und chronische Knieschmerzen durch Gonarthrose. Alles andere, auch Kopfschmerz, steht in Anlage II Nummer 31 und darf nicht zu Lasten der Kassen erbracht werden. Die BKK Pfalz nennt das auf ihrer Seite ausdrücklich ein Bedauern.

Was kostet eine Akupunkturbehandlung selbst bezahlt?

Das Register führt keine Preise von Praxen. Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Ärzte oder dem Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker; ein Werkzeug zur Prüfung einer Privatrechnung steht auf dieser Seite.

Quelle

Verfahren

Welche Kasse wie viel zahlt

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