Zum Inhalt springen
Naturkompass24 Meine Kasse prüfen

Evidenzübersicht

Stand: 29.09.2026

Die Stufe nennt die Art der Fundstelle. Sie ist keine Bewertung des Verfahrens. Was die fünf Stufen bedeuten und was jede von ihnen belegen muss

VerfahrenStudienlageQuelle
Angststörungen bei erwachsenen Frauen, verglichen mit einer Warteliste
Anthroposophische Kunsttherapie Einzelstudien
Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 59 eingeschlossenen und 47 abschließenden Frauen zwischen 18 und 65 Jahren mit generalisierter Angststörung, sozialer Angststörung oder Panikstörung und mäßigen bis schweren Angstsymptomen; untersucht wurde ausdrücklich die anthroposophische Kunsttherapie. Gegenüber der Warteliste berichten die Autorinnen und Autoren in Per-Protocol- wie in Intention-to-treat-Analyse eine Abnahme der Angst und eine Zunahme der selbst eingeschätzten Lebensqualität (beide mit großem Effekt) sowie eine bessere Zugänglichkeit von Strategien der Emotionsregulation (mittlerer Effekt); die Wirkung hielt drei Monate an. Ihr Schluss: Kunsttherapie sei wirksam bei der Verringerung von Angstsymptomen und der Verbesserung von Lebensqualität und Aspekten der Emotionsregulation. Der Vergleich ist eine WARTELISTE und keine aktive Behandlung – die Autorinnen und Autoren fordern selbst, künftige Studien sollten gegen die übliche Behandlung prüfen und die Kosteneffektivität untersuchen.
Quelle
Chronische Erkrankungen in der ambulanten Versorgung, ohne Kontrollgruppe
Anthroposophische Kunsttherapie Einzelstudien
Eine prospektive Kohortenstudie über vier Jahre an 161 aufeinanderfolgenden ambulanten Patientinnen und Patienten im Alter von 5 bis 71 Jahren, behandelt von 52 Kunsttherapeutinnen und -therapeuten in 54 Praxen.
Der Befund im Wortlaut

Eine prospektive Kohortenstudie über vier Jahre an 161 aufeinanderfolgenden ambulanten Patientinnen und Patienten im Alter von 5 bis 71 Jahren, behandelt von 52 Kunsttherapeutinnen und -therapeuten in 54 Praxen. Häufigster Anlass waren psychische Störungen (60,9 Prozent, vor allem Depression, Erschöpfung und Angst). Alle Zielgrößen außer dem KINDL-Fragebogen für Kinder verbesserten sich zwischen Beginn und jeder Nachbeobachtung statistisch signifikant, und die Verbesserung hielt bis zur letzten Erhebung an. Der Schluss der Autorinnen und Autoren: Patientinnen und Patienten unter anthroposophischer Kunsttherapie hätten eine langfristige Verringerung der Symptome ihrer chronischen Erkrankung und eine Verbesserung der Lebensqualität erfahren. Die Studie hat KEINE Kontrollgruppe: Sie beschreibt den Verlauf unter Behandlung und kann ihn nicht von einem Verlauf ohne Behandlung unterscheiden.

Quelle
Chronischer unspezifischer Kreuzschmerz
Heileurythmie Einzelstudien
Eine dreiarmige multizentrische randomisierte Studie (Yoga, Heileurythmie, konventionelle Physiotherapie) über acht Wochen mit 274 ausgewerteten Teilnehmenden.
Der Befund im Wortlaut

Eine dreiarmige multizentrische randomisierte Studie (Yoga, Heileurythmie, konventionelle Physiotherapie) über acht Wochen mit 274 ausgewerteten Teilnehmenden. Beim Hauptzielkriterium, der körperlichen Beeinträchtigung (RMDQ), und bei allen Nebenzielkriterien unterschieden sich die drei Gruppen nicht signifikant; in allen Gruppen nahm die Beeinträchtigung vergleichbar ab, ohne die Schwelle klinischer Bedeutsamkeit zu erreichen, Schmerzstärke und schmerzbedingte Belästigung nahmen ab und die Lebensqualität nahm zu. Nur für die psychische Komponente des SF-12 berichten die Autorinnen und Autoren in explorativen Modellen einen größeren Nutzen der Heileurythmie gegenüber Physiotherapie und Yoga; innerhalb der Gruppen verbesserte sich dieser Wert nur bei Yoga und Heileurythmie. Alle Interventionen waren sicher. Die Autorinnen und Autoren schließen, gegenüber der konventionellen Physiotherapie führten Heileurythmie und Yoga zu vergleichbaren Besserungen; die Effektstärken innerhalb der Gruppen seien aber klein bis moderat gewesen und hätten bei der körperlichen Beeinträchtigung keine klinische Bedeutsamkeit erreicht.

Quelle
Funktion des autonomen Nervensystems bei gesunden Frauen
Rhythmische Massage Einzelstudien
Eine einfach verblindete randomisierte kontrollierte Studie mit 44 gesunden Frauen (Durchschnittsalter 26,2 Jahre) in drei Armen: Rhythmische Massage mit aromatischem Öl, ohne aromatisches Öl und eine standardisierte Scheinbehandlung, jeweils nach einer standardisierten Stresssituation und mit 24-Stunden-Langzeit-EKG. Gemessen wurde die Herzratenvariabilität, also eine körperliche Größe und kein Krankheitsverlauf. Die Autorinnen und Autoren berichten, die kurz- und langfristigen Wirkungen auf die autonome Regulation hätten sich zwischen den drei Gruppen signifikant unterschieden; unmittelbar nach der Sitzung sei in beiden Massagegruppen eine Anregung der Herzratenvariabilität gefunden worden, das aromatische Öl habe kurzfristig größere messbare Veränderungen bewirkt, die nach 24 Stunden nicht mehr von der Massage ohne Öl zu unterscheiden gewesen seien, und die geringste Anregung habe die Scheinbehandlung gezeigt. Ihr Schluss: Rhythmische Massage bewirke eine spezifische und deutliche Anregung des autonomen Nervensystems; das Öl habe nur eine vorübergehende Wirkung, was darauf hindeute, dass die Massage selbst die maßgebliche längerfristige Wirkung verursache, und die Wirkung sei relativ spezifisch, weil sie bei der Scheinbehandlung erheblich schwächer ausgefallen sei. Diese Zeile steht hier, weil sie zeigt, was der Bestand ist und was nicht: Sie ist ein Beleg über eine physiologische Wirkung an Gesunden und keiner über den Nutzen bei einer Erkrankung.
Quelle
Kniearthrose, verglichen mit konventioneller Behandlung
Ayurveda Einzelstudien
Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie an vier deutschen Einrichtungen mit 151 Teilnehmenden (77 Ayurveda, 74 konventionelle Versorgung), je 15 Behandlungen über zwölf Wochen.
Der Befund im Wortlaut

Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie an vier deutschen Einrichtungen mit 151 Teilnehmenden (77 Ayurveda, 74 konventionelle Versorgung), je 15 Behandlungen über zwölf Wochen. Hauptzielkriterium war die Änderung des WOMAC-Index nach zwölf Wochen; sie fiel in der Ayurveda-Gruppe deutlicher aus (mittlere Änderung 61,0 gegenüber 32,0), der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch bedeutsam und die Effektstärke klinisch bedeutsam (Cohens d 0,68). Für alle Nebenzielkriterien zeigten sich nach zwölf Wochen ähnliche Tendenzen. Die Wirkung hielt bei den Nachuntersuchungen nach 6 und 12 Monaten an. Die Autorinnen und Autoren schließen, die Ergebnisse legten nahe, dass die ayurvedische Behandlung die Symptome der Kniearthrose verringere. Die Studie war OFFEN, also weder für die Behandelten noch für die Behandelnden verblindet, und verglich zwei Bündel von Maßnahmen; die Autorinnen und Autoren fordern selbst weitere Studien, um die Größe des Effekts zu bestätigen und die Rolle der einzelnen Bestandteile und unspezifischer Wirkungen zu klären. Eine systematische Übersicht zu den manuellen Ayurveda-Verfahren, die die HEK-Satzung nennt (Teilkörpermassagen und Thermotherapien), liegt nicht vor.

Quelle
Primäre Dysmenorrhoe, verglichen mit der üblichen Versorgung
Rhythmische Massage Einzelstudien
Eine dreiarmige randomisierte kontrollierte Studie mit 60 Frauen (23 Rhythmische Massage, 20 Herzratenvariabilitäts-Biofeedback, 17 übliche Versorgung) über drei Monate.
Der Befund im Wortlaut

Eine dreiarmige randomisierte kontrollierte Studie mit 60 Frauen (23 Rhythmische Massage, 20 Herzratenvariabilitäts-Biofeedback, 17 übliche Versorgung) über drei Monate. Beim Hauptzielkriterium, der mittleren Schmerzstärke während der Menstruation, unterschieden sich die Gruppen nach drei Monaten (p = 0,005); im Einzelvergleich war die Rhythmische Massage der üblichen Versorgung überlegen (mittlere Differenz -1,61 auf einer numerischen Skala; 95-Prozent-Intervall -2,77 bis -0,44). Zwischen Massage und Biofeedback sowie zwischen Biofeedback und Kontrollgruppe fand sich kein bedeutsamer Unterschied, ebenso bei keinem der Nebenkriterien. Die Autorinnen und Autoren nennen ihr Ergebnis ausdrücklich einen vorläufigen Hinweis („preliminary evidence“): Dieser lege nahe, dass Rhythmische Massage die Schmerzstärke nach 12 Wochen gegenüber der üblichen Versorgung verbessern könnte. Eine systematische Übersicht zur Rhythmischen Massage bei einer klinischen Indikation liegt nicht vor; die Stufe steht deshalb auf „Einzelstudien“.

Quelle
Säuglingskoliken und exzessives Schreien in den ersten sechs Lebensmonaten
Osteopathie Einzelstudien
Die Übersicht sichtet randomisierte Studien zu handgeführten Verfahren bei Säuglingskoliken ab 2012 und fand sieben: Bauchmassage, pädiatrisches Tuina, Craniosacral-Behandlung, chiropraktische Manipulation, osteopathische Behandlung mit leichter Berührung, Reflexzonenarbeit und Akupressur. Genau EINE davon prüfte die Osteopathie; der Volltext der Übersicht nennt sie mit ihren Zahlen: Carnes D u. a., International Journal of Osteopathic Medicine 51:100710, 2024, 66 Säuglinge unter zehn Wochen, 32 osteopathisch behandelt und 34 mit einer gleich dosierten Scheinberührung. Die bereinigte Differenz der täglichen Schreidauer betrug dort 2,2 Minuten zulasten der osteopathisch behandelten Gruppe (95-Prozent-Konfidenzintervall -20 bis 25 Minuten; p = 0,849); ein Unterschied ließ sich damit nicht feststellen. Die übrigen sechs Studien prüften andere Verfahren und sind keine Aussage über die Osteopathie. Wegen der Unterschiede in Diagnosekriterien, Zielgrößen und Behandlungsdosis wurde auf eine Zusammenfassung der Zahlen verzichtet. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet, die Überwachung darauf war jedoch uneinheitlich. Der Schluss der Übersicht gilt allen sieben Verfahren zusammen und nicht der Osteopathie allein: Sanfte manuelle Verfahren könnten Säuglingen mit Koliken eine bescheidene kurzfristige Erleichterung bringen und die Erfahrung der Eltern verbessern, bei anscheinend günstigem Sicherheitsprofil; methodische Unterschiede und kleine Stichproben begrenzten jedoch die Gewissheit, und standardisierte Protokolle, objektive Zielgrößen und eine belastbare Überwachung unerwünschter Ereignisse seien vorrangig für künftige Forschung.
Quelle
Tendovaginitis de Quervain
Neuraltherapie Einzelstudien
Eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie mit 36 Patientinnen und Patienten: Neuraltherapie zusätzlich zu Ruhigstellung und Daumenschiene gegen Ruhigstellung und Schiene allein.
Der Befund im Wortlaut

Eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie mit 36 Patientinnen und Patienten: Neuraltherapie zusätzlich zu Ruhigstellung und Daumenschiene gegen Ruhigstellung und Schiene allein. Beide Gruppen besserten sich nach einem und nach zwölf Monaten. Die Schmerzwerte lagen in der Neuraltherapie-Gruppe nach einem und nach zwölf Monaten signifikant unter dem Ausgangswert, der Handfunktionsindex nach einem Monat unter dem der Kontrollgruppe; nach zwölf Monaten unterschieden sich die Gruppen darin nicht mehr signifikant. Unerwünschte Wirkungen traten nicht auf. Die Autorinnen und Autoren schließen, die Neuraltherapie scheine bei Tendovaginitis de Quervain Schmerzen zu lindern und die Handfunktion zu verbessern.

Quelle
Verschiedene Indikationen, therapiebegleitend
Heileurythmie Einzelstudien
Die systematische Literaturübersicht fand elf Studien: zwei einarmige unkontrollierte Pilotstudien, zwei Veröffentlichungen zu derselben nicht randomisierten kontrollierten Studie, eine Fallstudie und sechs weitere Arbeiten, die sich auf eine prospektive Kohortenstudie beziehen. Die Autorinnen und Autoren berichten, die meisten dieser Studien beschrieben positive Behandlungseffekte unterschiedlicher Größe, die Studien seien nach Indikation, Altersgruppe, Studiendesign und Endpunkt heterogen und die methodische Qualität schwanke beträchtlich; seit der ersten Übersicht von 2008 habe es keine klaren Verbesserungen gegeben. Ihr Schluss: Eurythmie scheine eine nützliche Ergänzung in einem therapeutischen Zusammenhang zu sein, die den Gesundheitszustand der Betroffenen verbessern könne; mehr methodisch belastbare Studien seien nötig, um diesen positiven Eindruck zu untermauern. Die Stufe steht deshalb auf „Einzelstudien“ und nicht auf „systematische Übersicht“: Die Übersicht selbst ist systematisch, die Studien darunter sind es überwiegend nicht.
Quelle
Wohlbefinden und Speichelcortisol bei gesunden Erwachsenen, einmalige Anwendung
Rhythmische Massage Einzelstudien
Randomisierte, einfach verblindete Studie mit 118 gesunden Erwachsenen (mittleres Alter 25,2 Jahre): eine einzige Rhythmische Massage mit neutralem Öl oder mit Aromaöl gegenüber einer Scheinmassage, jeweils nach einem experimentellen Stresstest. Beim Wohlbefinden fanden sich nach Anpassung an Ausgangsunterschiede keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen Massage- und Scheingruppe, auch nicht zwischen den beiden Massagegruppen, und das Speichelcortisol unterschied sich im Verlauf nicht statistisch bedeutsam zwischen den drei Gruppen; in der Nachbefragung beschrieben alle Teilnehmenden der Aromaöl-Gruppe und 82 Prozent der Gruppe mit neutralem Öl die Anwendung als entspannend, gegenüber 42 Prozent in der Scheingruppe. Die Autorinnen und Autoren schreiben, der fehlende Effekt könne an der methodischen Komplexität der Massageforschung liegen, besonders am scheinkontrollierten Design mit nur einer einzigen Anwendung; Umfeld, Erwartungen und die Interaktion zwischen Teilnehmenden und Behandelnden schienen eine Rolle zu spielen, die zu prüfen sei. Das Potenzial der Methode halten sie für noch nicht belegt.
Quelle

Nach oben