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Pflanzenmonographie lesen: traditionell oder anerkannt?

Redaktion Naturkompass24

Stand · aktualisiert am · Finanzierung: redaktionell · Interessenkonflikt: keiner angegeben

Was bedeutet traditionelle Anwendung bei Arzneipflanzen? EU-Monographien nach Zubereitung, Anwendungsgebiet und Beleglage lesen, Erstattung gesondert prüfen.

Eine Pflanzenmonographie beschreibt bestimmte pflanzliche Stoffe und Zubereitungen für medizinische Anwendungen. Sie ist kein pauschales Gütesiegel für jedes Produkt mit demselben Pflanzennamen. Die Unterscheidung zwischen traditioneller und wissenschaftlich anerkannter Anwendung hilft beim Lesen; die Frage nach der Kassenleistung folgt anschließend getrennt.

Was in einer EU-Monographie steht

Die Europäische Arzneimittel-Agentur erklärt: EU-Pflanzenmonographien enthalten die fachliche Bewertung ihres Ausschusses HMPC zu Sicherheit und Wirksamkeit eines pflanzlichen Stoffes und seiner Zubereitungen. Sie nennen unter anderem Anwendungsgebiete, vorgesehene Personengruppen und Sicherheitsinformationen. Zusammen mit der Monographie veröffentlicht die EMA einen Bewertungsbericht, der die berücksichtigten Daten erläutert.

Beginnen Sie deshalb nicht bei einem einzelnen herauskopierten Satz. Öffnen Sie die Quelle und prüfen Sie den Titel, den Stand des Dokuments und die zugehörige Zubereitung. Halten Sie den Produktnamen oder die Packung bereit, wenn Sie die Zuordnung in der Apotheke besprechen möchten. Eine selbst vorgenommene Gleichsetzung ist besonders dann unsicher, wenn Ihnen Angaben zu Extrakt oder Pflanzenteil fehlen.

Zwei Belegwege, keine Rangliste aller Pflanzen

Die EMA unterscheidet „well-established use“ mit hinreichenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit von „traditional use“ mit ausreichenden Sicherheitsdaten und plausibler Wirksamkeit. Nach ihrer Erläuterung wird jede Zubereitung einzeln betrachtet. Daher können für dieselbe Pflanze manche Zubereitungen im einen Abschnitt stehen und andere im zweiten.

Bezeichnungen im Naturkompass-Pflanzenregister
BezeichnungWas Sie anschließend prüfen
Wissenschaftlich anerkannte AnwendungWelche Zubereitung und welches Anwendungsgebiet nennt der zugehörige Wortlaut?
Traditionelle AnwendungWelche Anwendung wird auf Grundlage langjähriger Verwendung beschrieben?
Kein erfasstes AnwendungsgebietWelche Dokumente liegen vor und welchen Bearbeitungsstand nennt die Quelle?

Für die Registrierung traditioneller pflanzlicher Arzneimittel verlangt § 39b AMG unter anderem Angaben zur langjährigen medizinischen Verwendung. Die Vorschrift nennt grundsätzlich mindestens 30 Jahre, davon mindestens 15 Jahre in der Europäischen Union. Die Wirkungen oder Wirksamkeit müssen aufgrund langjähriger Anwendung und Erfahrung plausibel sein. Das ist eine andere Anforderung als ein klinischer Wirksamkeitsnachweis für jede denkbare Anwendung.

Leiten Sie aus einer traditionellen Anwendung weder eine Garantie noch die Aussage ab, eine Pflanze könne grundsätzlich nicht wirken. Beschreiben Sie zunächst, welchen Belegweg die gelesene Quelle tatsächlich trägt. Für die Einordnung von Studien und Leitlinien führt der Ratgeber zum Evidenzsteckbrief durch die Angaben des Registers.

Das Register Schritt für Schritt nutzen

Eine Pflanzenauskunft nachvollziehen 1 Arzneidroge finden 2 Zubereitung und Anwendung zuordnen 3 Originalquelle und Stand lesen 4 Kassenleistung gesondert prüfen
Eine Pflanzenauskunft nachvollziehen

Suchen Sie im Pflanzenverzeichnis nach dem deutschen Namen oder dem botanischen beziehungsweise lateinischen Drogennamen. Die Einträge unterscheiden die Arzneidroge vom botanischen Namen. Nutzen Sie den Filter für wissenschaftlich anerkannte oder traditionelle Anwendung, wenn Sie gezielt einen der Belegwege nachvollziehen möchten.

Öffnen Sie zum Nachlesen beispielsweise die Profile zu Kamillenblüten, Melissenblättern oder Thymiankraut. Sie können dort den deutschen Kurztext mit dem verlinkten Originaldokument abgleichen. Das Profil zu Ginkgoblättern führt außerdem zur dokumentierten Ausnahme der Arzneimittel-Richtlinie. Prüfen Sie jeweils die genannte Zubereitung und die Grenzen der Quelle.

Auf der Einzelseite steht der übernommene Wortlaut neben seiner Fundstelle und dem Erhebungstag. Die englischen Aussagen werden dort als Quellentext wiedergegeben. Lassen Sie unklare Begriffe in der Apotheke oder ärztlichen Praxis erklären, bevor Sie daraus eine Entscheidung für ein Präparat ableiten. Das Register enthält keine persönliche Dosierungsanweisung.

Notieren Sie Ihre offenen Fragen getrennt: Geht es um den Pflanzenteil, die Herstellung, das genannte Anwendungsgebiet oder die Eignung für Sie? So kann die fachliche Rückfrage bei der richtigen Stelle ansetzen. Der Gesprächsratgeber hilft, Quellenfragen für einen Termin zu ordnen.

Anerkennung und Erstattung beantworten verschiedene Fragen

Eine EU-Monographie sagt nicht, dass Ihre deutsche Krankenkasse das konkrete Mittel bezahlt. Der G-BA erläutert die Ausnahmen für rezeptfreie apothekenpflichtige Arzneimittel in der OTC-Übersicht zur Arzneimittel-Richtlinie. Dort ist die Verordnung bei den genannten schwerwiegenden Erkrankungen und Voraussetzungen maßgeblich.

Der Filter „nur Anlage I“ im Pflanzenregister zeigt die dort dokumentierten Zuordnungen. Er ersetzt keine Prüfung Ihres konkreten Arzneimittels. Weitere Wege lesen Sie im Ratgeber zu pflanzlichen Arzneimitteln. Geht es um eine zusätzliche Kassenleistung und bereits gekaufte Präparate, hilft die Checkliste für das grüne Rezept.

Lesen Sie Pflanzenname, Zubereitung, Anwendung und Belegweg zusammen. Prüfen Sie danach gesondert das konkrete Präparat und den Erstattungsweg Ihrer Krankenkasse.

Ist traditionelle Anwendung dasselbe wie klinisch nachgewiesene Wirksamkeit?

Nein. Die EMA unterscheidet die beiden Belegwege. Bei traditioneller Anwendung steht die plausible Wirksamkeit auf Grundlage langjähriger Verwendung im Vordergrund.

Gilt eine Monographie für jedes Präparat derselben Pflanze?

Eine solche Gleichsetzung ist nicht zulässig. Die EMA erläutert, dass Zubereitungen einzeln beurteilt werden. Prüfen Sie, welche Zubereitung und Anwendung der gelesene Abschnitt nennt.

Quelle

Verfahren

Welche Kasse wie viel zahlt

Passende Ratgeber

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